Lothar Matthäus‘ „Fränglisch“ – über die Wichtigkeit der Sprachkompetenz für professionelle Kommunikation – Teil 1

Lothar Matthäus‘ „Fränglisch“ – über die Wichtigkeit der Sprachkompetenz für professionelle Kommunikation – Teil 1

Veröffentlicht in übersetzung-allgemein am 16/09/2015

Zweifelsohne hat Lothar Matthäus, der Rekord-Fußballnationalspieler der deutschen Nationalmannschaft mit 150 Einsätzen, sich um den Fußball verdient gemacht und Geschichte geschrieben. Schließlich hat er durch seine fußballerischen Leistungen unter anderem einen Weltmeistertitel (1990) ins gerade wiedervereinte Deutschland gebracht und errang ein Jahr später als bisher einziger Deutscher den Titel „Weltfußballer des Jahres“. Auch nach seinen Karrierestationen in Europa sorgte der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft für Schlagzeilen – diesmal allerdings für weit weniger schmeichelhafte. Neben zahlreichen Liebesaffären, die allesamt recht genüsslich von der Boulevardpresse ausgeschlachtet wurden, bleibt vom Globetrotter aus Herzogenaurach vor allem in Erinnerung, wie wenig gewandt er sich bei seinem Karriereausklang im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, beim Antrittsbesuch den New York/New Jersey MetroStars auf Englisch auszudrücken wusste. Wo einige Puristen heute einen Niedergang der deutschen Sprache aufgrund des massiven Eindringens von Anglizismen befürchten, zeichnete sich „Loddar“ durch eine etwas stark am fränkischen Dialekt orientierten Gebrauch des Englischen aus.

Mangelnde Sprachkompetenz und ihre Folgen

Ein gefundenes Fressen für alle Spaßmacher der Nation. Auf die Pressekonferenz folgten zahlreiche Persiflagen auf die mangelhafte Sprachkompetenz Matthäus‘. Als besondere Sprachperlen galten etwa „I hope we have a little bit lucky“ oder „we look in front, not behind“. Aus den Sagern des beredten Wortjongleurs speiste sich schließlich eine ganze Comedy-Industrie. Noch heute erinnern sich viele gerne an die kurzen Einspieler von Bayern 3, die sich einen Spaß daraus machten, Matthäus zum Englischlehrer mit markiertem fränkischen Akzent für die Zuhörerschaft zu machen, und zwar mit direkt aus dem Deutschen übernommenen Redewendungen (eine Kostprobe gibt’s hier: https://www.youtube.com/watch?v=SQ1AT0whdD0).

Warum is mangelnde Sprachkompetenz komisch?

Eine berechtigte Frage, die man sich bei diesem Phänomen stellen kann, ist: Warum erscheint uns diese Art der Persiflage eigentlich als so komisch?
Wir haben ein Gespür dafür, was gut klingt. Wir sind uns darüber im Klaren, dass man o. g. Beispiele im Englischen so nicht formulieren kann, ganz einfach weil sie so absurd klingen. Das ist auch eine wesentliche Erkenntnis beim Übersetzen: Es geht eben nicht darum, einen Satz Wort für Wort wiederzugeben, indem man einfach das erste Wort der Ausgangssprache durch das entsprechende Wort in der Zielsprache ersetzt, das zweite Wort durch das zweite usw. Es geht vielmehr darum, den Sinn und Inhalt des Ausgangstextes so in die Zielsprache zu übertragen, dass er so natürlich wie möglich klingt, eben so, als ob es sich nicht um eine Übersetzung, sondern um einen eigens in der Zielsprache verfassten Text handeln würde. Das bedeutet es, eine gelungene Übersetzung anzufertigen. Und das wiederum setzt eine profunde Kenntnis der Zielsprache (und -kultur) voraus.